Variablen ND-Filter wählen: 180°-Regel, X-Effekt, Gewinde, Magnete, Black Mist und Filter fürs iPhone.
Bei Sonne ist für Video fast immer zu viel Licht da. Fotografen nehmen einfach eine kürzere Verschlusszeit, Filmer müssen aber bei rund 1/50 s bleiben und die Blende für einen weichen Hintergrund offen halten. Draußen geht das ohne ND-Filter nicht. Wer Interviews, Vlogs oder Hochzeiten mit einer Systemkamera dreht, fährt als erste Wahl am besten mit einem variablen ND mit begrenztem Bereich wie dem K&F Concept Nano-X ND8–ND128.
Wir zeigen, wie viele Blendenstufen Sie wirklich brauchen, warum billige variable ND ein dunkles Kreuz zeigen, wie Sie den Gewindedurchmesser wählen, wann sich ein Magnetsystem lohnt, was Black Mist kann und wie ND-Filter am iPhone funktionieren.
1 / 8Beim Video richtet sich die Verschlusszeit nicht nach dem Licht, sondern nach der Bewegung. Es gilt die 180°-Regel: Verschlusszeit etwa doppelte Bildrate, also 1/50 s bei 25p und 1/100 s bei 50p. Bewegungen bekommen so eine natürliche Unschärfe; bei 1/2000 s wirken sie abgehackt wie aus einer Actioncam.
In der Sonne verträgt sich das nicht mit offener Blende. Grob gerechnet verlangt ein heller Tag bei ISO 100 und f/2 etwa 1/6400 s. Auf 1/50 s kommen Sie nur, wenn Sie 7 Blendenstufen Licht wegnehmen – genau das leistet ND128. Kameras, die im Log-Profil mit höherem Basis-ISO starten, brauchen noch mehr.
Ein ND-Filter ist graues Glas: Er nimmt Licht weg, soll aber weder Farben noch Schärfe verändern.
2 / 8Ein fester ND hat einen Wert: ND8 nimmt 3 Stufen weg, ND64 sechs, ND1000 zehn. Jede Verdopplung der Zahl entspricht einer Stufe. Feste Filter liefern meist das sauberste Bild und zeigen nie ein Kreuz, müssen aber bei jedem Lichtwechsel getauscht oder gestapelt werden.
Ein variabler ND (VND) besteht aus zwei hintereinanderliegenden Polfiltern; dreht man den vorderen, ändert sich stufenlos, wie viel Licht durchkommt. So lässt sich die Belichtung sogar während der Aufnahme nachregeln – etwa wenn Sie mit der Kamera in der Hand aus dem Baumschatten in die Sonne treten. Für Doku, Vlog oder Hochzeit ist das deutlich praktischer.
Der Nano-X ND8–ND128 hat die Stufen ND8 bis ND128 am Ring markiert, Einstellungen lassen sich also leicht wiederholen. Für statische Einstellungen vom Stativ bleibt ein fester ND sinnvoll.
3 / 8Stehen die beiden Polfilter im VND fast senkrecht zueinander, fällt das Licht nicht mehr gleichmäßig durch, und im Bild erscheint ein dunkles X-förmiges Kreuz oder Flecken. Am deutlichsten sieht man das an Weitwinkelobjektiven und am Ende eines großen Bereichs.
Bessere VND haben deshalb einen bewusst begrenzten Bereich und einen Ring mit festen Anschlägen. Laut K&F Concept lässt sich der Nano-X ND8–ND128 (3–7 Stufen) nicht in die Kreuzposition drehen. Der Nano-D ND2–ND400 bietet dagegen 1–9 Stufen in einem Filter, doch der Hersteller weist selbst darauf hin, dass bei starker Abdunklung ein Kreuz auftreten kann, das beim Weiterdrehen verschwindet.
Die letzten Stufen eines großen Bereichs sind Reserve, keine Alltagseinstellung.
4 / 8Günstigere ND-Filter können das Bild einfärben – warm und bräunlich, manchmal auch Richtung Magenta oder Grün. Bei starker Dichte kann zudem Infrarotlicht durchdringen, und schwarze Kleidung wirkt im Bild bräunlich. Beim VND kann sich der Farbton sogar mit dem Drehwinkel ändern.
Deshalb zählen Glas und Vergütung. Laut Hersteller besteht der Nano-X aus japanischem AGC-Glas mit 28 Vergütungsschichten und 0,2 % Reflexion, was auch gegen Reflexe im Gegenlicht hilft. Tilta nennt für die Illusion-Serie eine Vollspektrum-Vergütung (FS).
Praxistipp: Weißabgleich manuell setzen und nach größeren Änderungen der Dichte prüfen, am besten mit einer Graukarte. Ein leichter Stich lässt sich in der Postproduktion korrigieren, ein starker kaum.
5 / 8Den Gewindedurchmesser finden Sie am Objektiv oder auf dem Deckel (Zeichen ⌀, z. B. ⌀ 67). Die Regel ist einfach: Kaufen Sie den Filter für Ihr größtes Objektiv, vorhanden oder geplant, und setzen Sie ihn an kleineren mit einem Step-up-Ring an, etwa 67 → 77 mm. Umgekehrt funktioniert es nicht – ein kleinerer Filter am größeren Objektiv schneidet die Bildecken ab. Auch die Gegenlichtblende passt mit Ring womöglich nicht mehr.
Wer oft das Objektiv wechselt, spart mit einem Magnetsystem Zeit. Auf jedes Objektiv kommt ein dünner Adapterring, der Filter schnappt in einer Sekunde an – so funktioniert der Nano-X Magnetic ND8–ND128 72 mm. Ein Schraubfilter lässt sich in Eile oder am Gimbal nur langsam wechseln und kann sich verklemmen.
6 / 8Ein Polfilter (CPL) reduziert Spiegelungen auf Wasser, Glas und Laub und macht den Himmel satter. Beim gewöhnlichen VND ändern sich Abdunklung und Polarisation aber gemeinsam. Kombifilter wie der K&F C Series ND2–ND32 + CPL 77 mm lassen beides getrennt einstellen.
Ähnlich ist das Tilta Illusion Ultimate Kit aufgebaut: Der magnetische CPL mit VND-Adapter ergibt 1–5 Stufen, die Variante CPL + ND32 6–10. Ein dritter CPL hat Black Mist 1/4 integriert.
Black Mist lässt Lichter sanft aufblühen, senkt den Kontrast und mildert die digitale Härte auf der Haut. Am stärksten wirkt er im Gegenlicht und bei Lampen oder Nachtlichtern, in flachem, bedecktem Licht kaum. In der Postproduktion lässt er sich nicht entfernen – also bewusst einsetzen.
7 / 8Das iPhone hat eine feste Blende und regelt die Belichtung in der Sonne nur über Verschlusszeit und ISO. Das Ergebnis sind sehr kurze Zeiten und abgehackte Bewegungen. Mit ND-Filter lässt sich die kinotypische 1/50 s halten – allerdings nur in einer App mit manueller Verschlusszeit wie Blackmagic Camera.
Das SmallRig Square ND & Black Mist für iPhone 17 Pro hat einen magnetischen Rahmen, der auf dem Kameramodul sitzt und es zugleich schützt. Im Set sind fünf ND-Filter von 1 bis 5 Stufen und ein Black Mist 1/4. Bei greller Sonne hilft, dass der Magnet zwei Filter übereinander hält; am 0,5×-Ultraweitwinkel rät SmallRig wegen dunkler Ecken aber von mehr als zwei ab. Das Set ist für das iPhone 17 Pro gemacht.
8 / 8Erster VND für die Kamera: der Nano-X ND8–ND128 im Durchmesser Ihres größten Objektivs. 3–7 Stufen decken einen typischen Sonnentag mit offener Blende ab, die Anschläge halten Sie vom Kreuz fern.
Sehr lichtstarkes Objektiv, Log mit hohem Basis-ISO, Schnee oder Strand: der Nano-D ND2–ND400 – mehr Reserve, dafür ein mögliches Kreuz am Ende des Bereichs.
Spiegelungen auf Wasser, Scheiben und Autos: der C Series ND2–ND32 + CPL; 1–5 Stufen passen eher zu leicht abgeblendeter Blende oder zum späten Nachmittag.
Mehrere Objektive, schneller Wechsel: der Nano-X Magnetic oder das komplette System Tilta Illusion.
iPhone 17 Pro: das SmallRig Square ND & Black Mist.
Für die meisten Drehs mit der Kamera ist der K&F Concept Nano-X ND8–ND128 im Durchmesser des größten Objektivs die sicherste Wahl: Er hält 1/50 s in der Sonne und lässt Sie nicht ins X-Kreuz drehen. Wer oft Objektive wechselt, spart mit dem magnetischen Nano-X Magnetic oder dem Tilta Illusion Zeit, iPhone-17-Pro-Besitzer greifen zum SmallRig Square ND & Black Mist.
Was uns am Design gefällt: Der begrenzte Bereich ND8–ND128 mit festen Anschlägen deckt einen typischen Sonnentag bei offener Blende ab und verhindert das dunkle Kreuz, das Aufnahmen mit billigen variablen ND verdirbt.
Was Sie einplanen sollten: Ein variabler ND reicht nicht für extremes Licht jenseits von 7 Stufen oder Langzeitbelichtungen, und der Filter muss im richtigen Durchmesser gekauft werden, an kleineren Objektiven mit Step-up-Ring.
Syntex-Redaktion. Der Ratgeber beruht auf technischen Daten und Dokumentation von K&F Concept, Tilta und SmallRig sowie auf allgemeinen Belichtungsgrundlagen; die Produkte haben wir für diesen Artikel nicht selbst getestet. Die Belichtungsbeispiele sind Näherungsrechnungen.